Neugier: Die unterschätzte Erfolgseigenschaft

Wissen ist Macht. Nichtwissen aber kann genauso mächtig sein, denn es weckt unsere Neugierde. Bei den meisten jedenfalls. Neugier – das ist der Hunger nach Wissen, gepaart mit der Bereitschaft, sich überraschen zu lassen, zu staunen, sich auf Neues einzulassen, zu lernen. Ohne diese Eigenschaft gäbe es kaum Experimente, Innovationen oder Fortschritt. Allerdings ist diese menschliche Ureigenschaft enorm fragil: Das Nichtwissen verunsichert ebenso viele Menschen. Und die Unsicherheit und die daraus resultierende (soziale) Angst blockieren dann wieder die Neugier – ein Teufelskreis entsteht…

Wie funktioniert Neugier?

Neugier-Eigenschaft-NeugierdeNeugierde wecken – das ist das Kernanliegen jedes Bewerbungsanschreibens, jedes Bewerbungsfotos, jedes ersten Kennenlernens oder Flirts. Und so starten die meisten eine Reihe von (nett gemeinten) Manipulationsversuchen, um andere auf sich oder ihre Sache neugierig zu machen. Mit meist mäßigem Erfolg.

Letztlich können Sie bei Ihrem Gegenüber vielleicht kurzfristiges Interesse wecken, ihn ein Stück weit mit Ihrer Leidenschaft anstecken. Ob die Person aber wirklich neugierig ist oder wird, liegt letztlich an der Person selbst.

Tatsächlich findet Neugier weniger im Kopf statt, als viele denken. Sie lässt sich auch nicht willentlich erzeugen, genauso wenig wie man seinem Körper willentlich sagen kann: „Jetzt entspann Dich schon!“ Es ist eine Eigenschaft, die man hat und erlernen, aber auch wieder verlernen kann.

Was Sie allerdings dafür tun können, ist jenen Hindernissen im Kopf auf die Schliche zu kommen, die der Neugier im Weg stehen. Beobachten und erkunden Sie dazu zunächst das Zusammenspiel von Gedanken, Emotionen und Empfindungen: Wie reagieren Sie und Ihr Körper auf Neues, Ungewohntes, Ungelerntes: mit Lust – oder doch eher mit Zurückhaltung und Argwohn?

Somatic Mindfulness heißt diese Selbsterforschung in der Fachsprache. Dabei finden Sie nicht nur heraus, welche Erfahrungen und welche Erwartungen da sind, sondern auch warum Sie womöglich gerade mental dicht machen und eben so gar nicht neugierig sind.

Blockierte Neugier: Ein Beispiel

Neugier findet ausschließlich im Hier und Jetzt statt. Vergangene Erfahrungen und künftige Erwartungen, die ins Hier und Jetzt reinfunken, können Neugier blockieren. Daher ist ein erster Schritt in Richtung zu mehr Neugier das Erkunden und Sortieren dessen, was da so alles im Kopf rumschwirrt.

Angenommen, Sie bekommen eine Mail vom Chef – höchste Prioritätsstufe, er möchte Sie heute noch sprechen. Leider sagt er nicht dazu, worum es geht. Könnte gut sein, könnte schlecht sein… Sie wissen es nicht. Ob Sie sich nun neugierig und offen in Richtung Chefbüro aufmachen, hängt aber von zwei wichtigen Parametern ab:

Erfahrung:

In der Schule wurden Sie einmal zum Direktor ins Lehrerzimmer gerufen. Ein Mitschüler hat Sie verpetzt und Sie bekamen damals mächtig Ärger.

Erwartung:

Schon seit einiger Zeit kursieren im Unternehmen Gerüchte, dass es der Firma finanziell nicht gut geht. Womöglich stehen Entlassungen oder Kurzarbeit ins Haus.

Das sind natürlich alles bloß Annahmen. Aber Sie merken schon, was nun im Kopf des Betroffenen passiert. Sobald diese Gedanken erst einmal kreisen, ist es mit der Offenheit und Neugier vorbei. Stattdessen übernehmen Angst und Stress das Regiment – und Sie rechnen mit dem Schlimmsten…

Das ist zwar ein Extrembeispiel, ähnlich funktioniert es aber auch im Kleinen.

Neugier genügt nicht: Warum sie manche unterdrücken

Kennen Sie irgendein Kind, das nicht neugierig wäre?

  • Was ist das?
  • Wie heißt es?
  • Wie funktioniert das?
  • Warum ist das so?

Fragen über Fragen, die Kinder stellen. Und das ist gut so (auch wenn es zuweilen nerven kann), denn nur so lernen sie hinzu. Sie wollen die Dinge erfassen, begreifen, verstehen. Kurz: Sie haben eine unbändige Neugierde.

Unser Gehirn ist darauf programmiert. Die Evolution hat es vorgemacht: Der Mensch entwickelt sich ständig weiter, unser Gehirn dürstet nach neuen Reizen, danach, Neues zu lernen. Wir sollen und wollen wachsen. Nicht zufällig entwickeln wir daraus sogar Ehrgeiz und Ambitionen.

Doch dann, wenn sie älter werden, passiert manchen etwas, das all dem widerstrebt: Sie werden satt und altklug.

Obwohl Neugier eine der ursprünglichsten, natürlichsten und grundlegensten Fähigkeiten des Menschen ist, lernen diese Menschen sie früh wieder zu unterdrücken. Sie hängen den Forscher- und Entwicklungsdrang an den Nagel und denken nur noch in Schubladen und Schablonen, weil es bequemer ist: Kenn ich schon, weiß ich, hab ich selber so schon erlebt, alles kalter Kaffee… Fatal! Denn solche Menschen bleiben psychisch irgendwann stehen, ihr Geist bewegt sich, als würde er durch schnell härtenden Zement stapfen.

Vielleicht liegt das gar im Ursprung der Neugier: Wer nicht gerade in einer Forschungsabteilung, in der Wissenschaft oder im Journalismus arbeitet, der verbindet die Neugierde im beruflichen Kontext eher mit Begriffen, wie: naiv, kindisch, unbedarft. Und das sind natürlich nicht gerade Eigenschaften, die heute im Berufsleben gefragt sind. Stattdessen betonen Stellenanzeigen landauf, landab immer wieder Attribute, wie durchsetzungsstark, erfahren, versiert.

Im Job zählen solides Fachwissen und strenge Ratio oft mehr als Experimentierfreude, Spontaneität und Offenheit für Neues.

Vielleicht liegt es aber auch an manchen Erfahrungen (siehe oben), die wir mit unserer Neugier in der Kindheit gasammelt haben. Wer als Kind für allzu große Neugierde eher Rügen und Strafen kassiert hat, wird mit dem Alter zwangsläufig vorsichtig. Die einst gesunde Neugier verklärt sich nun in ihr Gegenteil, das erst einmal gefiltert, analysiert, geprüft und bewertet werden muss. Sicher ist sicher.

Schade. Denn Neugier ist eine Kardinaltugend, ein wesentlicher Erfolgsmotor.

Wer neugierig bleibt, der…

  • entdeckt jeden Tag eine neue Welt.
  • bleibt aufgeschlossen und tolerant.
  • wird für andere interessant und sympathisch.
  • besitzt Authentizität und Präsenz.
  • inspiriert mit frischen Ideen und Gedanken.
  • findet Abkürzungen und entdeckt Neuland.
  • findet neue Freunde und erweitert sein Netzwerk.
  • gerät so schnell nicht in die Defensive.
  • wird selbstsicherer.

Denn Neugier und Wissen gehen Hand in Hand. Man kann nicht neugierig bleiben, ohne etwas zu lernen. Und dieses Wissen irgendwann wieder weiterzugeben. Womöglich – aber das ist nur eine These – gibt es keinen echten und erfolgreichen Experten, der nicht zugleich neugierig geblieben wäre…

Die 3 Schwestern des Erfolgs

Selbstreflexion

Erfolg – soweit die allgemeine Definition – heißt, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Dazu muss man sie allerdings erst einmal kennen. Das setzt voraus, dass man seine Stärken und Schwächen kennt und seine Ziele danach ausrichtet. Selbstreflexion beinhaltet aber auch, Entscheidungen bewusster zu treffen und mehr aus Fehlern zu lernen (was bedeutet, sie zu analysieren, um sie nicht zweimal zu begehen sowie diese emotional hinter sich zu lassen). Wer so vorgeht, ist meist optimistischer was seine Zukunft anbelangt, denn er fühlt sich ihr nicht ohnmächtig ausgeliefert.

Ziele

Ein klares Ziel zu haben, macht nicht automatisch erfolgreich. Was erfolgreiche Menschen aber eint, ist, dass sie ihre Ziele strukturiert und spezifisch benennen können. Nicht wenige schreiben sie sogar auf – wie bei Managern, deren Zielvorgaben in messbaren Zahlen vereinbart werden. Zudem sind das keine Fernziele, sondern eine Kette von Nahzielen, die schließlich in ein großes Ganzes münden. So hangeln sich diese Leute von Meilenstein zu Meilenstein, erleben Teilerfolg nach Teilerfolg und bleiben obendrein motiviert.

Neugier

Und da ist sie wieder. Erfolgreiche lernen nicht einfach nur hinzu – sie wollen lernen. Und zwar möglichst viel. Der Motor dazu ist ihre Neugier: Warum ist das so? Was haben andere in der Situation gemacht? Was sind die Eigenschaften, die erfolgreiche Menschen einen? Wobei das Interesse dieser Leute stets fachübergreifend ist: Sie sind aufgeschlossen gegenüber Politik, Management, Sport und Religion, interessieren sich ebenso für die Börse wie für Bildungsfragen, für das Kochen oder die Psychologie. Sie haben vielleicht keinen Doktor-Titel, aber promovieren praktisch in allen Lebensfragen.

– via karrierebibel.de